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Erdstall kommt von einer Stelle in der Erde. Es ist ein sehr altes Wort; erst später hat sich daraus etwa auch der Viehstall entwickelt. In der jetzigen Zeit wird mit Erdstall eine von Menschen gegrabene, für bestimmte Zwecke gedachte Höhlenstruktur mit mehreren Kammern bezeichnet.
Durch seltene Fundgegenstände oder Dokumente kann die Entstehung von Erdställen etwa mit 900-1100 n.Chr. angegeben werden. In diese Zeit fällt auch die Urbanisierung von kleineren Waldbereichen – Menschen zog es von den meist nur bei Flussläufen errichteten Siedlungen mehr und mehr zu landwirtschaftlich fruchtbar zu machenden Bereichen in Wäldern, die dazu stückweise gerodet wurden. Diese Siedlungen umfassten etwa 10-20 Familien ohne großartige Verteidigungsmöglichkeit. Unter den Haupthäusern wurden relativ häufig solche Erdställe entdeckt.
Dazu gibt es keine nachweislich gesicherten Aussagen. Lediglich mehr oder weniger starke Vermutungen:
– Schutzräume oder Rückzugsorte
– Aufenthaltsort für Seelen verstorbener Angehöriger
– Lebensmittelspeicher.
Schutzräume: Um mit umherziehenden Räuberbanden umzugehen, wurden Verstecke unter den Häusern geschaffen, um schwächere Personen rasch „vom Erdboden verschwinden zu lassen“. Für einige Stunden reichte die Luft für einige Personen aus. Die Räume waren durch enge Schlupfe verbunden, durch die jeweils nur eine Person klettern konnte. Die Verteidigung gegen Eindringlinge war einfach.
Aufenthaltsort für Seelen: Zeitweise gab es die Vermutung, dass aus dem verstorbenen Körper die auch irgendwie körperlich kleine Seele entweicht. Bevor diese in den Himmel gelangt, musste sie im Fegefeuer warten – das könnte sie auch unter dem Haus machen.
Lebensmittel: Das ist aus Weinkellern und sonstigen Getreidespeichern unter der Erde auch jetzt noch gebräuchlich. Allerdings herrschen im Erdstall meist zwar konstante Temperatur (Bsp. 12° in Unterstetten), aber nahezu 100% Luftfeuchte, was die Haltbarkeit erschwert.
Erdställe zeichnet aus, dass diese von Menschen für Menschen errichtet wurden. Die Räume sind gut 2 m hoch, 1-3 m breit und 2-5 m lang. Typischerweise sind diese Räume durch Schlupfe von 0,4 m Durchmesser und 0,5-1,5 m Länge so verbunden, dass vom ersten Raum beim Einstieg bis zum letzten Raum nur eine oder zwei Gangrichtungen möglich sind. So lassen sich diese am besten von innen verteidigen. Es gibt welche mit und ohne Luftkanäle.
Nicht für eine überschaubare kurze Zeit von wenigen Stunden bis Tagen: Die Erdställe lassen sich auf Grund der Struktur Räume mit Verbindungsschlupfen leicht gegen Eindringlinge verteidigen. Falls kein Luftkanal vorhanden ist, können Rauch und Flammen auch nicht weit vordringen.
Bei einigen Erdställen ist die Struktur der Räume um eine zentrale Stelle herum angeordnet. Die Räume weisen in diese Richtung ziegelartige Wände auf. Aus der 3D-Struktur ergibt sich dort die Lage eines am Schluss der Errichtung wieder zugeschütteten Bauhilfsschachts. Dieser weist einen Durchmesser von 1-1,5 m auf und ist vom Boden senkrecht nach unten geführt. Zuerst wurde dieser gegraben und dann von diesem waagrecht die Räume. Das Aushubmaterial konnte über den Hilfsschacht entfernt werden. Im dritten Schritt wurden die Verbindungsschlupfe zwischen den Räumen gegraben und schließlich der Bauhilfsschacht wieder verschlossen.
Auf Grund von Selbstversuchen kann geschlossen werden, dass ein Bautrupp von 3-5 Personen etwa 4-6 Monate an einem Erdstall gegraben hat.